Rennrad Aerodynamik - Spagat zwischen schnell und bequem | Shuru.de
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Rennrad Aerodynamik vs. Komfort – der Spagat zwischen schnell, bequem und gesund

Rennrad Aerodynamik - Aerohaltung und aerodynamisches Equipment
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Geschrieben von Max
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Die Rennrad Aerodynamik spielt für viele Athleten eine große Rolle. Es gibt unzählige Anleitungen, Ausrüstungsgegenstände und Angebote für Rennradfahrer und Triathleten, wie sie die Aerodynamik ihres Fahrrads verbessern können. Doch was bedeutet Rennrad Aerodynamik eigentlich? Ist sie überhaupt wichtig für dich und welche Probleme kann es geben?

Dieser Artikel ist Teil der Serie “Frag den Experten”. Wir haben Dirk Merz von Cucuma zu verschiedenen Themen interviewt und sein Wissen genutzt, um diesen und weitere Artikel damit anzureichern. Erfahre mehr zu unserer Kooperation mit Cucuma.

Was bedeutet Rennrad Aerodynamik eigentlich?

Aerodynamik beschreibt im Allgemeinen, wie sich Körper in der Luft verhalten. Wir könnten uns jetzt mit hochkomplexen Formeln, wie den Navier-Stokes-Gleichungen oder zumindest den Euler-Gleichungen auseinandersetzen, aber dann können wir auch gleich Maschinenbau oder Physik studieren.

Gehen wir es etwas praktischer an, anhand der Rennrad Aerodynamik, die uns Sportler betrifft. Im Sport möchten wir so schnell wie möglich das Ziel erreichen. Da wir nur eine gewisse Leistung erbringen können, müssen wir versuchen alle anderen Umgebungsvariablen so zu beeinflussen, dass sie uns möglichst wenig bremsen.

Insbesondere beim Radfahren werden wir hauptsächlich durch die Luft gebremst. Unser Körper und unser Rad sind der Widerstand, der die Luft verdrängen muss, damit wir überhaupt vorankommen. Doch umso schneller wir uns durch sie bewegen, desto größer ist der Widerstand der Luft und desto mehr Energie müssen wir aufbringen, um die Luft zu verdrängen.

Doch die Stärke des Widerstands kann beeinflusst werden. Das hast du sicherlich schon einmal selbst bemerkt: wenn du auf dem Rad sitzt, bergab fährst und dabei eine sehr aufrechte Haltung hast, drückt die Luft gegen deinen Oberkörper. Machst du dich hingegen klein und windschnittig, ist der Gegendruck der Luft geringer und du gleitest besser durch die Luft. Die Fläche, die gegen die Luft drückt, ist kleiner und die Luft kann besser um dich herum “fließen”.

Und das ist das Ziel: dass du und das Rad möglichst wenig Widerstand durch die Luft erfahrt, damit die Kraft, die du auf das Pedal bringst, mehr Vortrieb bringt.

Die Leistung, die du erbringst, um nach vorne zu kommen, wird in Watt gemessen. Also ist das Ziel bei der Rennrad Aerodynamik mit möglichst wenig Energie möglichst schnell zu sein. Und umso länger du unterwegs bist, desto wichtiger sind die Krafteinsparungen.

Der Einfluss deiner Sitzposition auf die Rennrad Aerodynamik

Schauen wir uns zuerst die aerodynamische Sitzposition an. Dies ist immer abhängig von deinem Trainingsniveau und der Wettkampfstrecke. Denn es ist immer ein Kompromiss zwischen Komfort und Aerodynamik.

Eine komfortable Rennrad Sitzposition ist nicht aerodynamisch. Du sitzt aufrechter und entspannter, was insbesondere bei langen Distanzen wichtig ist. Sitzt du drei, vier, fünf oder sogar sechs Stunden auf deinem Rennrad in einer unbequemen Haltung, bist du vielleicht aerodynamischer, aber mental und physisch wirst du nicht die Leistung erbringen können, die du eigentlich erbringen kannst. Bei einem Triathlon wird das anschließende lange Laufen auch problematischer.

Im Gegensatz dazu gibt es auch kurze Wettkämpfe, wo du nur 30 Minuten fährst. Hier ist es nicht so wichtig, ob du komfortabel sitzt, denn bis du das merkst, bist du schon längst wieder vom Rad. Dann ist eine aerodynamischere Position in vielerlei Hinsicht besser: durch diese Haltung brauchst du weniger Energie für die gleiche Geschwindigkeit bzw. bist du durch den gleichen Energieaufwand schneller. Somit ist die Gesamtfahrzeit niedriger und du bist schneller in der Wechselzone.


Aber auch hier lauert die Gefahr für das Laufen: durch die anstrengendere Haltung für den Körper, ist die Umstellung auf das Laufen wesentlich anstrengender. Pauschal lässt sich auch keine Aussage treffen, ob eine aerodynamischere Sitzposition für dich besser oder schlechter ist. Dies solltest du unbedingt in einem Bikefitting besprechen, bei dem deine Ziele, dein Körper, deine Voraussetzungen und Erfahrungen berücksichtigt werden. Wie du den idealen Bikefitter findest, erfährst du in einem separaten Artikel hier.

Wie wichtig ist dein Fahrrad für die Rennrad Aerodynamik?

Auch wenn dein Körper eine große Angriffsfläche für die Luft bietet, ist dein Rad und dein restliches Equipment genauso anfällig und beeinflusst deinen eingesetzten Kraftaufwand.

Suchst du in deinem Lieblings-Rad-Shop nach Rennrad Equipment, wirst du sehr viele Such-Ergebnisse erhalten. Angefangen bei aerodynamischen Helmen, über eng anliegende Kleidung bis hin zu Messerspeichen, die besser durch die Luft gleiten. Zudem wirst du feststellen, dass all das Equipment im Verhältnis zu seinen “normalen Geschwistern” viel teurer ist.

Rennrad Aerodynamik - am Berg bringt es keinen Vorteil

Rennrad Aerodynamik – am Berg bringt es keinen Vorteil

Schaust du weiter, wirst du Testberichte dazu finden, wie viel Watt Einsparung dir dies bringt. So bringt ein Zeitfahrhelm circa 12,5 Watt Ersparnis und somit eine Zeitersparnis von zwei Minuten pro Stunde (laut triathlon knowhow Nr. 2). Bei einem Langdistanz Triathlon sind dies neun Minuten. Jedoch nur, wenn man durchgehend 40 km/h fährt! Das sind beim Ironman Frankfurt 2018 gerade mal die acht schnellsten männlichen Profis gefahren.

(Zur Vervollständigung: Die Radstrecke des Ironman Frankfurt war 185 km lang und man hat eine Radzeit bei einem Geschwindigkeitsschnitt von 40 km/h von 4:37:30 Stunden, was nur Frodeno, Nilsson, Lange, Amberger, Kasteilein, Butterfield, Koutny und Mock unterboten).

Die Leistungsersparnisse bei niedrigeren Geschwindigkeiten sind geringer und somit ist die Zeitersparnis auch geringer. Zudem bringt dir aerodynamisches Material keinen Vorteil an einem Aufstieg.

Es ergibt für die allermeisten Altersklassen-Athleten keinen Sinn, sich diese teure Ausrüstung für das Rad zuzulegen. Du kannst mehr Leistung einsparen oder positive Effekte für dein Training erzielen durch Gewichtsreduktion, ein effektiveres Training, einen Trainer oder auch ein Bikefitting. Doch natürlich ist es verlockend, durch etwas Geld die Radperformance sofort zu verbessern.

Deshalb haben wir für dich ein Tool entwickelt, das dir hilft, dich in diesem ganzen Equipment Dschungel zurechtzufinden. Wir empfehlen dir dort nur die Triathlon Ausrüstung, die du wirklich benötigst – sortiert nach Trainingslevel, Sportart und weiteren Parametern. Schau rein!

Wie du die Rennrad Aerodynamik verbessern kannst

Doch natürlich gibt es auch einfache Tricks, wie du mit kleinem Investment deine Rennrad Aerodynamik verbessern kannst.

Zum einen ist ein Triathlonaufsatz wichtig. Dafür brauchst du kein Triathlonrad, sondern es reicht ein Rennrad, das du um den zusätzlichen Lenkeranbau erweitern kannst. Hier haben wir sehr gute Erfahrungen mit dem System von Redshift gemacht. Durch die Aerobars mit Schnellspanner*, als auch die verstellbare Sattelstütze* rüstest du in wenigen Handgriffen dein Rennrad zu einem Triathlon Rad um. Die verstellbare Sattelstütze bringt dich einige Zentimeter weiter nach vorne, sodass du die Kraft besser übertragen kannst und dich nicht “zu lang” machst (Siehe auch den Artikel zur richtigen Rennrad Sitzposition).

Zudem ist ein gut eingestelltes Rennrad hilfreich. Bei einem Bikefitting sprichst du über deine Erfahrungen und Ziele und der Bikefitter stellt dein Rad perfekt auf dich ein. So hast du mit wenig Investment nicht nur ein perfekt sitzendes Rad, das deinem Körper angepasst ist, du vermeidest auch langfristige Verletzungen. Mehr zum Thema Bikefitting erfährst du im passenden Artikel.

Unser nächster Tipp ist enganliegende Kleidung – nicht nur aus Rennrad Aerodynamik Sicht. Triathlon Klamotten kannst du bereits beim Schwimmen anziehen (auch unter dem Neoprenanzug), trägst sie beim Radfahren und anschließend auch beim Laufen. So sparst du auch gleichzeitig Zeit in der Wechselzone.

Und insgesamt ist das beste Investment das Training selbst. Mit einem gut geplanten und durchgeführten Training wirst du langfristig die größten Erfolge erzielen. Achte hier bitte unbedingt darauf, dass du nicht nur körperlich richtig regenerierst, sondern auch mental Energie tanken wirst. Bist du mental ausgelaugt, wird dein Training nie so erfolgreich ablaufen, wie es könnte.

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