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Ein Wettkampf. Zwei Distanzen. Drei Perspektiven.

Ironman Kraichgau Wettkampfbereicht
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Geschrieben von Isabelle Henrich
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Das Land der 1000 Hügel. Kraichgau, in der Nähe von Heilbronn. Für viele Triathleten ein Pflichtwettkampf, aber auch eine Faszination für Zuschauer. Über drei Tage lang verteilt konnten Sportler an Veranstaltungen, wie dem Womensrun, Bundesliga, Autogrammstunden, Ironman 70.3, sowie der olympischen Distanz teilnehmen. Max, wollte bei seinem dritten Triathlon-Wettkampf dieses Jahr eine neue persönliche Bestzeit aufstellen. Kathi unterstützte ihn tatkräftig. Und Isabelle nahm an ihrer zweiten Mitteldistanz teil und wollte richtig rocken.

Isa: Und plötzlich Weltmeisterschaft

Meine zweite Mitteldistanz wartete auf mich. Nervös? Ein wenig. Ich hatte die Distanz schließlich schon einmal hinter mich gebracht. Ich freute mich tierisch auf den Wettkampf und wollte endlich beginnen.

Während der Fahrt am Samstagmittag schossen mir mehrmals die Gedanken durch den Kopf, ob ich wirklich an alles gedacht hatte. Ich hatte es doch sechs Mal kontrolliert, doch die Gedanken ließen mich nicht los. Es war ein komisches Misch-Masch aus Gefühlen. Rad Check-In und bekannte Gesichter lenkten mich von meiner Aufregung etwas ab. Um 23 Uhr ging ins Bett.

„Scheiße ich habe nur einen Wecker dabei!!! Was, wenn der nicht klingelt“

Das beschäftigte mich echt sehr. Denn wenn der Wecker nicht klingelt und ich verschlafe, startet der Wettkampf auch ohne mich. Doch ich hatte Glück im Unglück, da ich bereits um 4 Uhr nicht mehr richtig schlafen konnte, obwohl ich erst um 6 Uhr aufstehen musste. Alles nochmal kontrollieren und dann ab zum See. Viel zu früh.



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3, 2, 1 Bääääähääääm

Doch irgendwann ging es dann doch los. Geil! Ich fand sehr schnell meinen Rhythmus, konnte einige Leute überholen und bei einigen anderen im Wasserschatten kraulen. Ich versuchte schnell zu sein, allerdings mich nicht zu verausgaben. Mit knapp über 29 Minuten ging ich aus dem Wasser heraus und fühlte mich super. Beim Wechseln kam ich mir sehr langsam und ungeübt vor, obwohl meine Zeit etwas Anderes sagte (2:36 Minuten).

Auf dem Rad fühlte ich mich kraftvoll und stark und wurde trotzdem dauernd überholt. Die vielen Athleten, die an mir vorbeifuhren, konnten meine Stimmung zum Glück nicht trüben, dazu war meine Motivation viel zu hoch. An der ersten Verpflegungsstation fiel mein Tacho aus, nun hatte ich keinerlei Angaben mehr wie schnell ich bin. So begann die Rechnerei mit der auf dem Tacho angezeigten Uhrzeit und der Kilometeranzeige am Streckenrand. Welche Zeit war nun möglich? 3:20, 3:10 oder doch schneller?Außerdem fiel mir die Kette herunter, weswegen ich kurz anhalten musste und aus meinem Rhythmus kam. Puh. Das kostete Kraft. Vor allem für den Kopf. Umso glücklicher war ich als ich die 90 Kilometer nach 2:59 Stunden beenden konnte.

21 Kilometer und 30 Grad.

Ich konnte die letzten zwei Monate kaum Laufen, bedingt durch eine Verletzung, was sich in meinem Laufgefühl widerspiegelte. Nach sieben Kilometer hatte ich ein Steinchen im Schuh, der im Nachhinein eine riesen Blase hinterließ. Dazu verbrannte mein halber Rücken, obwohl ich mich eingecremt hatte. Und um meine Leidensgeschichte abzurunden, taten meine Beine höllisch weh. Sie waren steif, brannten, ich hatte das Gefühl, nicht voranzukommen. Es war schrecklich. Immer mehr Leute überholten mich. Es kann doch nicht sein, dass ich so langsam bin. Ich wollte gehen, aufhören, keine Qualen mehr haben. Ich munterte mich auf: „ Den größten Teil hast du überstanden. Es kann nicht sein, dass du jetzt rum heulst und aufgeben möchtest. Also reiß dich jetzt zusammen und zieh das bis zum Ende durch.“ Also lief ich weiter. Ich wusste, dass es keine gute Zeit wird, aber was sollte ich erwarten. Ich freute mich auf jeden Meter Schatten, den ich erreichen konnte.

Ich hatte es geschafft. Krass. 5:33:33 Stunden. Was für eine geile Zeit. Eine halbe Stunde schneller als letztes Jahr beim Ironman 70.3 in Wiesbaden. Und beim Laufen blieb ich doch noch unter der Zwei-Stunden Marke. In meiner Altersklasse wurde ich 6. von 21 und konnte mir den WM-Slot für Chattanooga ergattern.

Resultat

Verbrannter Rücken, aufgeschürfter Nacken, Blase am Fuß, Muskelkater in den Beinen. Und entgegen meinen Erwartungen:Ich kann doch Radfahren! Die zwei ersten Disziplinen haben einen riesen Spaß gemacht. Hoffentlich wird die dritte Disziplin auch besser werden. Doch das ist Triathlon. Man geht durch Höhen und Tiefen und lernt sich immer wieder neu kennen.

Max: Ob das was wird…?

Die Vorbereitung lief bis vor wenige Wochen super gut. Kaum krank gewesen, keine Muskelprobleme und Vorfreude auf den Wettkampf.

Doch die ersten zwei Wettkämpfe der Saison waren bescheiden: Magenprobleme in Fulda und kurz vor dem zweiten Wettkampf bekam ich Probleme mit meinem rechten Knie. In der letzten Trainingseinheit vor dem 5i50 Kraichgau knickte ich noch mit meinem rechten Fuß um und verbrachte so die letzten Stunden auf der Couch mit Schmerzsalbe und Eispack.

Doch am Wettkampftag war alles wieder gut und die Anspannung lies alle Probleme vergessen. Ich war heiß und hatte Bock auf den Wettkampf!

Schwimmen und Radfahren waren akzeptabel. Wie Isa hatte ich auch technische Probleme auf dem Rad und mein Leistungsmesser funktionierte nicht. Somit war ich genauso mit Rechnen beschäftigt (ob es da so ein schwarzes Loch gibt, was alle Funkwellen einsaugt?). Nachdem ich vom Rad kam und meine Laufschuhe anzog, begann dann die Misere.

Schon wieder Magenprobleme. Mein Party-Magen hatte Lust auf feiern und mir wurde schlecht. Nach 6 Kilometern mit Magenkrämpfen und Stop-and-Go, hatte dann auch mein Magen genug und der Inhalt musste raus. Ich dachte ans Aufgeben. Aber ein Did-not-Finish (DNF) ist nicht drin! Das würde mich nur noch mehr frustrieren. Also lief ich die restlichen Kilometer bis ins Ziel. Mein Körper machte seinen eigenen Triathlon: Fußschmerzen, Knieschmerzen, Magenkrämpfe. Die Medaille war unwichtig, genauso wie die Zeit. Hauptsache ankommen.

Die kommenden Tage waren der Horror. Ich zweifelte an allem: Meiner Leistung, dem Triathlon, Shuru und der Uni. Lust- und kraftlos hing ich auf der Couch rum und dachte darüber nach, was ich nun machen soll. Die kommenden Wettkampf sagte ich ab – zum einen wegen den Knie- und Fußschmerzen und zum anderen hatte ich einfach keine Lust mehr auf Sport. Wie es nun weitergeht? Keine Ahnung – Triathlon erstmal ohne Wettkämpfe weitermachen oder mal ein Jahr etwas ganz anderes?

Kathi: Ich schmelze dahin

Es war heiß. Und wie heiß. Ich glaube, ich schwitzte alles aus mir heraus, was ich den ganzen Tag über getrunken hatte. Genauso häufig cremte ich mich ein und bekam trotzdem einen Mörder-Sonnenbrand, inklusive Streifen meiner Träger auf den Schultern. Zum Glück hatte ich eine Brotdose dabei. Denn von dieser konnte ich den Deckel als Fächer benutzen um mich so wenigstens ein bisschen herunter zu kühlen – während ich an der Straße stand und die Athleten anfeuerte.

Genau vor einem Jahr war das Event im Kraichgau mein allererster Triathlon Wettkampf, bei dem ich zugesehen hatte. Ich weiß es noch ganz genau, wie Max damals durchs Ziel gelaufen war. Ich fieberte mit ihm, fühlte mit ihm und freute mich genauso mit ihm. Dadurch bekam ich überhaupt erst Lust darauf, selbst einmal unter dem Zielbanner hindurch zu laufen.

Doch dieses Jahr machte der Wettkampf mir keinen Spaß. Die wahnsinnig drückende Hitze machte mir zu schaffen. Das Schwimmen war super zum Zuschauen. Man war direkt am Wasser und beobachtete, wie die Schwimmer voran kamen. Das blöde war nur, dass es nach knapp einer halben Stunde schon vorbei war und ich weiter an die Laufstrecke musste. Ich habe ewig in der Sonne gestanden, bis ich Max endlich mal gesehen hatte – für die paar Sekunden, die er an mir vorbei lief. Ich sah, dass er Probleme hatte und machte mir Sorgen, was es sein könnte und wie schlimm es ihm in Wirklichkeit geht. Dadurch konnte ich mich gar nicht mehr auf die anderen Athleten konzentrieren und habe sie dadurch auch nicht mehr angefeuert. Ich stand also nur da, machte mir Gedanken und wartete auf Max. Und so ging der ganze Wettkampf an mir vorbei.

Fazit: Mein letzter Wettkampf in Dieburg lief furchtbar ab. Danach hatte ich schon keine Lust mehr auf den Sport. Doch dass es mir beim Zuschauen genauso gehen würde, erstaunte mich. Die Unlust auf Triathlon steigert sich immer mehr. Weder als Teilnehmer, noch als Zuschauer macht es mir momentan Spaß. Ob ich da eben mal durch muss oder ob das nur eine Phase ist, wird sich herausstellen. Hoffe ich zumindest.

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