Training ohne Pulsuhr: schneller werden ohne teure Ausrüstung!
Sport

Warum Training ohne Pulsuhr wichtig ist – schneller werden ohne teure Ausrüstung!

Training ohne Pulsuhr - Hör auf dein Körpergefühl
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Geschrieben von Max
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Training ohne Pulsuhr ist wichtiger als du dir vielleicht vorstellst. Lass mich dir eine kurze Situation vorstellen:
Ich war letztens im Schwimmbad, zog meine Bahnen und beobachtete einen Schwimmer neben mir auf der Bahn. Er hatte eine Garmin Forerunner 735XT am Handgelenk und seine Kraultechnik war schon ganz okay. Jedoch machte er einen großen Fehler mit dem Arm unter Wasser. Er drückte ihn nicht komplett durch, sodass er großes Tempo Potential verschenkte. Ich kam mit ihm ins Gespräch und zeigte ihm eine Technik Übung, wie man die Druckphase verbessern kann. Zwei Bahnen später waren wir beide wieder am Beckenrand und er meinte zu mir: „Wow, ich bin ja schon viel schneller. Ist aber schon anstrengender.“

Das zeigt uns deutlich:

  1. Eine High-End Uhr bedeutet nicht gleichzeitig, dass man gut ist
  2. Kann dir keine Uhr zeigen, wie du deine Technik verbessern kannst, obwohl sie schon Unmengen an Daten sammelt
  3. Fehlte es ihm an Körpergefühl

Tonnen an Daten – Für die Tonne?

Meine Garmin Forerunner 735XT zeichnet mit dem passenden Pulsgurt alleine beim Laufen 11 verschiedene Daten auf: Zeit, Tempo, Geschwindigkeit, Puls, Schrittfrequenz, Schrittlänge, vertikale Bewegung, Bodenkontaktzeit, Bodenkontaktzeit je Fuß, Höhenmeter und Kalorien. Zusätzlich natürlich noch Durchschnitts-, minimal und maximal Werte, Verhältnisse, FTP-Schwellen, Laktatschwellen und so weiter. Würde ich mir jeden Datensatz in jeder Trainingseinheit anschauen, wäre ich genauso lange mit der Auswertung, wie mit dem Training selbst beschäftigt. Auch um ein Verständnis für die vielen Daten zu bekommen muss man auch mal ein Training ohne Pulsuhr durchführen. So verstehst du dann auch viel eher, was die ganzen Zahlen bedeuten.

Für Daten-Freunde bestimmt interessant, um die tägliche Entwicklung zu betrachten und sofort entgegenzusteuern (wenn das überhaupt möglich ist). Oder um sich mit anderen zu messen. Wer kennt nicht die Situation in der Laufgruppe: „Ey, ich hab eine average vertical oscillation von 8cm und ein vertical ratio von 6% bei einer average stride length von 1,3m. Und du?“… Als Anfänger im Triathlon, Laufen, Radfahren und Schwimmen ist das alles erstmal egal! Dabei ist das wichtige, dass du dich selbst motiviert und das Training nicht zu schnell steigerst. Da können die Daten vielleicht sogar deine subjektiven Erfolge zerstören. Training ohne Pulsuhr hilft dir, deine subjektiven Erfolge auch wahrzunehmen.

Für die Langzeitentwicklung sind die Daten echt nützlich. Zum einen als Möglichkeit zur Betrachtung, ob das Techniktraining hilfreich ist. Zum anderen als erste Analyse bei Fehlentwicklungen, Problemen und Schmerzen. So kann man bei schmerzenden Knien oder der Hüfte das Verhältnis der Bodenkontaktzeit der einzelnen Beine betrachten oder die Vertikalbewegung. (Bei Problemen, sollten diese Daten aber nur unterstützend für eine ordentlich Laufanalyse genutzt werden!)

Körpergefühl entwickeln

Warum das Körpergefühl für dein Training extrem wichtig ist, habe ich bereits ausführlich beschrieben. Trainierst du schon von Anfang an mit einer Sportuhr, so wirst du dieses aber auch nicht entwickeln. Häufig schaut man dann fast ununterbrochen auf die Uhr, kontrolliert seinen Puls, die Zeit oder einen anderen Parameter. Im Training ohne Pulsuhr liegt der Fokus dann bei sich und dem Körper. Bei einigen Uhren kannst du auch einen Alarm aktivieren, sodass sie dir bei Über- oder Unterschreitung des eingestellten Bereichs ein haptisches oder akustisches Signal gibt. Somit kannst du zwar nahezu perfekt deinen Trainingsplan einhalten, lernst aber niemals ein gutes Körpergefühl. Wenn du regelmäßig ohne Pulsuhr trainierst, wirst du deinen Körper kennenlernen.

Erst wenn du weißt, wie sich dein Körper verhält, kannst du dein Training oder Wettkampf währenddessen auch steuern. Es gibt nicht den perfekten Tag, wo alles wie geplant läuft. Dein Puls zu hoch, das Tempo passt nicht, dein Körper ist einfach zu stark ermüdet oder oder oder… Dann ist es gut, wenn du das selbst feststellen kannst und auch regulierst. Dein Körper ist keine Maschine, die nach Zahlen funktioniert! Sondern ein komplexes Gebilde, welches nur du perfekt einschätzen kannst. Und erst dann, wenn du deinen Körper kennst und weißt, wie er sich verhält, kannst du deine Leistung optimal steigern bringen. Hierfür hilft dir auch schon ab und zu ein Training ohne Pulsuhr durchführen.

Motiviert bleiben: Training ohne Pulsuhr

Für viele Leute sind die Daten eine echte Motivation. Wenn man sieht, dass das Training einen positiven Effekt hat, motiviert das. Mich natürlich auch. Sei es eine neue persönliche Bestzeit, weniger Körpergewicht oder eine kürzere Bodenkontaktzeit.

Im Ausdauersport und wahrscheinlich fast jeder anderen Sportart sieht man die Erfolge am Anfang recht deutlich. Auch ein Training ohne Pulsuhr ist möglich: Merke dir einfach, wie weit du geschwommen, geradelt oder gelaufen bist. Ein paar Trainingseinheiten später nimmst du die gleiche Strecke erneut und wirst feststellen, dass du weiter gekommen bist. Fertig. Keine Uhr. Nix, außer dein Erinnerungsvermögen und Körpergefühl.

Umso leistungsfähiger man wird, desto kleiner werden die Erfolgsschritte zwischen zwei Trainingseinheiten. Dies geht dann soweit, dass du die Entwicklung in so kurzem Abstand kaum bis garnicht wahrnehmen kannst. Die Sportuhr hilft dann hauptsächlich das Training wie geplant durchzuführen. Während dem Training kann dich die Pulsuhr motivieren, indem sie dich warnt, wenn du eine (Tempo-)Zone unterschreitest. Aber auch deine subjektive Empfindung spielt eine wichtige Rolle. Die Sportuhr wird dir nicht sagen können, dass du trotz fehlender Motivation ein hervorragendes Training hast. Emotionen berücksichtigt eine Uhr nicht – sie spielen im Training aber allgegenwärtig eine Rolle. Also nutze sie und mache ein Training ohne Pulsuhr!

Training ohne Pulsuhr in Kürze

Für Anfänger und meist auch für Fortgeschrittene reicht neben dem Training ohne Pulsuhr eine günstigere Sportuhr. Sie kann Standarddaten des Trainings aufzeichnen und die meisten Analysen beruhen darauf. Für den datengetriebenen Schwanzvergleich oder um das „entscheidende Prozent“ zu verbessern, ist eine High-End Sportuhr vielleicht nötig. Trotzdem sollte man auch regelmäßig ohne den digitalen Begleiter trainieren gehen, um das Körpergefühl zu schulen und entwickeln.

Lerne dich aber erst selbst kennen. Verstehe, wie dein Körper reagiert und bekomme ein Gefühl für deine Bewegungen.

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